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Alt 14.01.2020, 15:41   #2
ursa major
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Hallo nafets!

Einen Komplettkurs in Bildbearbeitung kann ich Dir hier natürlich nicht geben, dafür ist das Thema zu komplex. Aber zunächst mal möchte ich mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen: Der Sinn von Bildbearbeitung ist bei weitem nicht allein Bilder zu verfremden oder verfälschen, was man allerdings natürlich auch machen kann. Fotos müssen für den Druck immer einer Optimierung unterzogen werden. Das war auch schon zu Zeiten der analogen Fotografie so, wo das allerdings natürlich noch anders gemacht wurde. Aber allein schon weil für den Druck von Digitalfotos eine Umwandlung von Lichtfarben in Körperfarben vollzogen werden muss, ist es in aller Regel notwendig die Bilder anzupassen und zu optimieren. Nicht um sie zu verfälschen, sondern im Gegenteil: um ein möglichst getreues Bild mit möglichst hoher Farbtreue hinzubekommen. Davon abgesehen ist ein Foto nie wirklich so objektiv, wie oft behauptet wird. Schon die Wahl des Motivs, Bildausschnitts, des ISO-Werts usw. stellen eine subjektive Einflussnahme dar. Und nur wenn man diese Parameter wirklich einzusetzen weiß, bekommt man wirklich ein Foto, so wie man das Motiv auch mit den eigenen Augen gesehen hat.

Du könntest natürlich einen Kurs an der Volkshochschule belegen. Allerdings ist das Niveau sehr unterschiedlich. Ich habe selbst mal einen GIMP-Kurs an einer VHS angeboten, und einige meiner Teilnehmer hatten zuvor schon anderswo einen belegt und dort offensichtlich nicht viel gelernt. Ob sie es bei mir gelernt haben, kann ich auch nicht garantieren, denn die Zeit war knapp bemessen und die Interessen und Motivationen der Teilnehmer waren sehr unterschiedlich. Und ich bin kein ausgebildeter Pädagoge, sondern habe Kunst studiert und zwei Jahre lang Mediengestalter gelernt. Wenn man aber weiß wonach man suchen muss, kann man sich eine ganze Menge selbst erarbeiten, denke ich.

Ein extrem wichtiges Thema, das jeder angehende Bildbearbeiter verinnerlichen sollte, ist die Problematik der Pixel. Digitalfotos bestehen ja aus einer Unmenge winziger, jeweils einfarbiger Rechtecke oder Quadrate - den sogenannten Pixeln. Jedes Digitalfoto ist also quasi ein Mosaik. Durch diese Aneinanderreihung von Pixeln leicht variierender Farben lassen sich fließende Farbübergänge erzeugen. Vorrausgesetzt, die Pixel sind so klein, dass sie für das menschliche Auge nicht als einzelne Pixel erkennbar sind. Man braucht also eine ausreichend hohe Auflösung. Das war im Prinzip auch schon bei analogen Fotos so, nur dass es da keine Pixel gab, sondern die sogenannte Körnung oder das Korn, unterschiedlicher Grobheit. Also kleine, farbige Partikel, die im Gegensatz zu den Pixeln unregelmäßig auf der Oberfläche des Bildträgers (also des Fotopapiers) verstreut aufgebracht waren.

Bei einem Digitalfoto sind Größe und Auflösung zunächst mal ein und das selbe. Ein Foto von z.B. 4320 x 3240 Pixel (14 Megapixel - Megapixel ist das gerundete Ergebnis der Multiplikation der Seitenlängen) beispielsweise hat diese Größe und auch diese Auflösung. Wenn Du also z.B. einen Bildschirm mit einer Auflösung von z.B. 1920 x 1080 Pixel hättest, wäre dieses Bild ungezoomt eindeutig deutlich zu groß um auf dem Bildschirm in Gänze zu sehen zu sein. Hier würde es sich dann empfehlen, es herunter zu skalieren (also zu verkleinern) und zusätzlich entsprechend und unter Berücksichtigung des Bildmotivs zu beschneiden.

Einschieben möchte ich hier auch eine Anmerkung zum Thema Zoomen. Diese Möglichkeit hat man ja dankenswerterweise. Allerdings muss man sich klar machen, dass man die Bildqualität (z.B. beim Schärfen) nur wirklich beurteilen kann, wenn man das Bild im originalen Zoomfaktor (also 1:1 oder 100%) betrachtet. Das erreicht man in GIMP immer durch einen Druck auf die Taste "1". Andernfalls sind die Pixel des Bildes u.U. nicht deckungsgleich mit denen des Bildschirms, was ja auch schwierig ist, bei krummen Zoomfaktoren.

Wenn Du das Bild drucken (lassen) willst kommt eine zusätzliche Problematik hinzu: Pixel haben ansich keine fest definierte Größe. Es kann z.B. unterschiedlich große Bildschirme mit der gleichen Auflösung geben. Das Bild würde dann natürlich verschieden groß angezeigt, obwohl es seine Größe in Pixel x Pixel nicht verändert. Darum muss dem Bild die Information hinzugefügt werden, wie groß die Pixel sein sollen: die sogenannte relative Auflösung. Dieser Wert ist nur für den Druck und zum Plotten (also für die analoge Ausgabe) wirklich wichtig. Der Standardwert ist hier 300 Pixel per Inch (Zoll). Wenn Du also ein digitales Bild hast und wissen willst, wie groß es gedruckt wäre, kannst Du es einfach auf einen relativen Auflösungswert von 300 ppi umrechnen). In GIMP geht das mit dem Dialog "Druckgröße" im Menü "Bild". Wenn Du da bei "X-..." und "Y-Auflösung" 300 Pixel/in eingibst und Enter drückst, kannst Du sehen wie die Werte in Milli- bzw. Zentimetern entsprechend angepasst werden. Die Anzahl der Pixel des Bildes verändert sich dabei nicht. Das bedeutet, dass das die tatsächliche auch analoge Größe des Bildes ist.

Wenn Du das Bild in einer anderen Größe brauchen solltest, musst Du es skalieren. Dabei solltest Du immer bedenken, dass sich dabei die Anzahl der Pixel des Bildes verändert, und damit auch dessen Qualität. Und zwar abhängig von der Stärke der Skalierung. Und auch davon, wie oft Du skalierst. Denn beim Verkleinern werden immer Pixel entfernt, deren Bildinformationen dann natürlich verloren sind, und beim Vergrößern werden immer neue Pixel berechnet, deren Farbinformationen von den benachbarten Pixeln geholt werden müssen. Im Ergebnis wird ein Foto beim Vergrößern immer entweder mindestens etwas pixeliger oder etwas unschärfer. Es gilt dann abzuwägen wie weit das noch vertretbar ist. Verkleinern ist etwas unproblematischer. Zwar müssen bei ungeraden Verkleinerungsfaktoren auch hier neue Pixel berechnet werden, was zu Unschärfe führt, jedoch fällt das beim Verkleinern tendenziell nicht so auf. Natürlich heißt das sowieso nicht, dass man nicht skalieren sollte, sonst könnten alle Layouter einpacken. Aber man sollte das immer mit Bedacht tun und möglichst schon beim Erstellen der Bilder, also z.B. beim Fotografieren, darauf achten, dass sie für den (möglichen) Verwendungszweck ausreichend groß sind. Soweit die Pixel-Problematik.

Das ebenfalls sehr wichtige Thema Farben und das Mischen von Farben ist noch komplexer und geht weit über das hinaus, was zumindest ich in der Schule anhand des Malkastens gelernt habe. Dazu sollte man zunächst wissen, dass Farbe ein Phänomen des Lichts ist. Ausgehend von absoluter Dunkelheit (Schwarz) kann man durch Hinzufügen von farbigem Licht verschiedener Farben alle erdenklichen Mischfarben erzielen. Auf dem Bildschirm geschieht das anhand von drei Kanälen, die man sich wie drei dimmbare farbige Lampen vorstellen kann, deren Licht übereinander geblendet wird: eine rote Lampe, eine grüne und eine blaue (RGB) - entsprechend den Farbrezeptoren im menschlichen Auge, den sogenannten Zapfen, von denen es drei Typen gibt; für jede der drei Grundfarben einen. Je nachdem wie weit man die jeweiligen Lampen nun hoch dimmt, mischen sich die Farben. Dreht man nur eine voll auf und lässt die anderen auf Null, bekommt man die jeweils reine voll gesättigte Farbe. Dreht man alle voll auf, bekommt man reines Weiß. So funktionieren die Kanäle. Jeder der drei Kanäle hat 256 Stufen: von 0 bis 255. Das ermöglicht rund 16,7 Millionen verschiedene Farben (bei den standardmäßigen 8 Bit Farbtiefe). Durch Erhöhung der Farbtiefe (in GIMP "Genauigkeit" genannt: im Menü "Bild") kann man die Farbenvielfalt sogar noch vervielfachen.

Die voll gesättigten Grundfarben Rot, Grün und Blau bilden mit ihren Mischergebnissen einen fließend ineinander übergehenden Kreis. Nimmt man die aufgehellten und die abgedunkelten Farbwerte hinzu lassen sich diese jeweils als Kegel denken, denn je heller und je dunkler die Farben und ihre Mischergebnisse werden, desto ähnlicher werden sie sich, bis sie in reinem Schwarz bzw. Weiß zusammenfließen. Wir haben es also mit einem dreidimensionalen Farbmodell zu tun, weshalb man hier auch von "Farbraum" spricht. In diesem Fall vom RGB-Farbraum.

Im Gegensatz zu Lichtfarben, die sich durch Hinzufügen von farbigem Licht zu Weiß addieren lassen (weshalb man hier auch von Additiver Farbmischung spricht), werden Körperfarben dadurch bestimmt, dass Teile des farbigen Lichts, das auf eine Oberfläche trifft, aufgrund der physischen Eigenschaften der Oberfläche, absorbiert und nur bestimmte Teile reflektiert werden. Hier werden also Teile des farbigen Lichts abgezogen (weshalb man hier auch von Substraktiver Farbmischung spricht). Während bei der Lichtfarbmischung die Grundfarben Rot, Grün und Blau sind, sind die Grundfarben der Körperfarbmischung Cyan, Magenta und Yellow (also Gelb). Das sind also die Farben, die den Grundfarben der Lichtfarbmischung im idealen Farbkreis exakt gegenüber liegen: ihre Komplementärfarben, mit denen sie im gleichen Verhältnis gemischt ein neutrales Grau ergeben würden.

Um digitale Bilder drucken zu können müssen sie aus einem RGB-Farbraum in einen CMYK-Farbraum (CMYK steht für Cyan, Magenta, Yellow, sowie für "Keycolor", womit Schwarz gemeint ist, denn aus C,M und Y lässt sich in der Praxis kein richtiges Schwarz mischen) konvertiert werden. Das ist ein ernstzunehmender Vorgang, denn CMYK-Farbräume umfassen immer weniger Farben als RGB-Farbräume, und auch nicht durchweg die gleichen. Zudem gibt es sowohl für RGB- als auch für CMYK-Farbräume eine Vielzahl unterschiedlicher Farbprofile mit unterschielichen Farbrepertoires und Eigenschaften. Bei CMYK-Profilen spielt dabei der Bedruckstoff eine maßgebliche Rolle, denn es gibt sehr unterschiedliche Papiere auf denen gedruckt werden kann und auf die die CMYK-Profile zugeschnitten sind. Wenn man das selbst machen und es nicht Profis überlassen will, sollte man sich mit diesem Thema intensiv beschäftigen.

Das dritte sehr wichtige Thema ist das der Dateiformate. Die sollte man je nach Verwendungszweck wählen und sich ihrer Eigenschaften und Möglichkeiten bewusst sein. Ein Bild an dem man gerade in GIMP arbeitet, sollte man möglichst immer als erstes als XCF speichern und immer mal wieder zwischenspeichern. Dann muss man nicht nochmal von vorn anfangen, wenn zwischendrin unerwartet das Programm oder der Rechner abstürzt. XCF kann so gut wie alles mit speicerhn was man beim Arbeiten braucht: Ebenen, Auswahlen, Hilfslinien, Pfade... Nur das Journal nicht.

Zum Archivieren, Versenden per E-Mail und Veröffentlichen im Netz empfiehlt sich das JPEG. Dieses Dateiformat verfügt über ein Verfahren zur Datenkomprimierung, das es zwar ermöglicht die Datei sehr klein zu rechnen, dabei aber die Bildqualität umso mehr mindert, je mehr man komprimiert. Da muss man abwägen. Bei Bildern für das Netz, bei denen es nicht so sehr auf Qualität ankommt, kann man schonmal bis 60% gehen. Ansonsten gehe ich aber nie unter 80%.

Für den professionellen Druck würde ich das TIFF empfehlen, das extra dafür gemacht wurde. Hier kann man in der Regel mit dem LZW-Verfahren auch verlustfrei komprimieren. Die Dateien bleiben dabei aber immer relativ groß.

Hat man ein Bildobjekt freigestellt oder sonstwie Transparenzen im Bild, die da auch bleiben sollen, sollte man das Bild als PNG exportieren. Denn das PNG unterstützt im Gegensatz zu den meisten anderen Dateiformaten auch den zur Darstellung von Transparenzen nötigen vierten Kanal, den Alphakanal (aus RGB wird dann RGBA). Das Komprimierungsverfahren des PNG ist verlustfrei.

Für GIF-Animationen benutzt man das GIF-Dateiformat. Das erlaubt nur eine Farbpalette von insgesamt maximal 256 verschiedenen Farben. Ist also nichts für Voll-HD, sondern eher ein Spezial-Thema für Liebhaber.

Das sind, meiner Ansicht nach, die absoluten Basics, mit denen man sich unbedigt vertraut machen sollte. Ansonsten natürlich auch mit der Struktur des Programmfensters von GIMP und auch mit den Einstellungen (Menü "Bearbeiten" > "Einstellungen"). Da sollte einem das GIMP Benutzerhandbuch helfen können. Und bei Unklarheiten natürlich dies Forum.

"Unscharf maskieren" ist eine Methode zum Schärfen, deren Bezeichnung noch aus analogen Zeiten stammt. Dazu wurde eine unscharfe Kopie eines Fotos über das Foto selbst belichtet, wodurch sich der Kontrast an den Kanten von Bildobjekten verstärkte (Schärfen ist imgrunde eine gezielte Kontrastverstärkung). Von der Bezeichnung sollte man sich jedenfalls nicht irritieren lassen. Am besten auch hierfür im Handbuch nachlesen wie es funktioniert. Hochpass funktioniert im Prinzip ähnlich wie das Unscharf maskieren. Man kann damit sowohl schärfen als auch subtil weichzeichnen.

Was die Bezeichnungen der Ebenenmodi anbelangt: deren exakte Funktionsweise kennen, glaube ich, die wenigsten Nutzer. Wäre auch sehr umfangreich das hier jetzt zu erklären (in manchen anderen Programmen wie z.B. Krita gibt es übrigens noch erheblich mehr Ebenenmodi - da blicke ich gar nicht mehr durch). Wichtig ist vor allem zu wissen, dass sie ihrer Wirkung gemäß gruppiert sind. "Nur aufhellen" bis "Addition" wirken sich beispielsweise aufhellend auf das Bild aus und vernachlässigen die dunkleren Werte der betreffenden Ebene eher. Bei der Gruppe darunter ist es umgekehrt. Einfach mal ausprobieren. Die Wirkung des Modus' "Vernichten" siehst Du allerdings nur, wenn Du die Deckkraft der Ebene reduzierst.

Zum Thema "Farbton": Wenn man Bilder nur optimieren will, wird man wahrscheinlich in erster Linie Farbstiche beseitigen und sie vielleicht etwas auffrischen wollen. Das macht man am besten mit den Dialogen "Werte" und "Kurven". "Kurven" ist ein bisschen abstrakter, macht im wesentlichen das gleiche wie "Werte", kann aber etwas mehr und ist sehr handlich. Ansonsten sind sicher Kontrastkorrekturen wichtig um Bilder vernünftig drucken zu können. Auch das kann man mit den beiden genannten Filtern machen. Aber es gibt auch noch andere Filter für sowas. Und wenn einem die nicht reichen, kann man obendrein noch das ziemlich coole G'MIC-Plugin für GIMP nachinstallieren, das nochmal rund 520 teils sehr gute Filter mitbringt.

Das muss nun aber erstmal reichen. Ist bereits mal wieder etwas ausgeartet. Hoffe, das hilft irgendwie! Fragen immer gern, aber normalerweise sollte es sich ein bisschen im Rahmen halten.


Edit: Eine Sache möchte ich noch nachschieben. Auf der Seite der GIMP-Werkstatt gibt es eine Menge Tutorials und auch Einführungen in GIMP 2.10... und 2.8... Ebenso bei GIMP Users.de. Ich habe mich nicht näher damit beschäftigt, glaube aber, dass die gut sind.

Geändert von ursa major (14.01.2020 um 18:05 Uhr)
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